Patientengeschichten
Ein Klavier, ein Dorfmärit und eine wichtige Botschaft
Der 14-jährige Evan Bösch liebt das Klavierspielen. Seine Mutter Anne nutzt einen seiner Auftritte, um auf die Blutstammzellspende aufmerksam zu machen. Dabei erlebt sie, wie schwierig es sein kann, Menschen für ein Thema zu gewinnen, das für ihre Familie über Leben und Tod entscheidet.
Ein Klavier mitten auf dem Dorfmärit in Schmitten. Davor sitzt der 14-jährige Evan Bösch und spielt. Er liebt es, vor Publikum aufzutreten. Seine Mutter Anne sucht derweil das Gespräch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern. Nicht, um nach Komplimenten für das Klavierspiel ihres Sohnes zu fischen. Sie möchte auf die Blutstammzellspende aufmerksam machen. Aus einem sehr persönlichen Grund.
Evan spielt seit mehreren Jahren leidenschaftlich Klavier. Besonders gerne tritt er vor Publikum auf. So setzt er sich in Bern oder Freiburg immer wieder an sogenannte Open Pianos – Klaviere, die an öffentlichen Orten stehen und auf denen jeder spielen darf. Auch am Dorfmärit in Schmitten ist er schon einmal aufgetreten. Warum also nicht wieder?
Als der nächste Auftritt bereits geplant ist, beschäftigt die Familie Bösch allerdings etwas ganz anderes: Evans älterer Bruder Nael ist schwer erkrankt. Der 18-Jährige leidet an schwerer aplastischer Anämie. Sein Körper kann nicht mehr genügend gesunde Blutzellen bilden. Seine Hoffnung auf Heilung liegt in einer Stammzelltransplantation.
Dank einer unbekannten Person aus dem weltweiten Register kann sich Nael einer Transplantation unterziehen. Für ihn und seine Familie ist damit eine grosse Hoffnung verbunden: die Chance auf Heilung.
Anne kommt die Idee, den Klavierauftritt ihres jüngeren Sohnes mit einer Informationsaktion zur Blutstammzellspende zu verbinden. «Warum nicht Evans Klavierspiel nutzen, um auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen?», denkt sie sich. Sie organisiert ein Klavier, einen kleinen Informationsstand und Unterlagen von Blutspende SRK Schweiz. Innerhalb weniger Tage steht die Aktion. Evan ist sofort dabei.
Für Mama Bösch bekommt der Auftritt ihres jüngeren Sohnes deshalb eine besondere Bedeutung. Sie weiss aus eigener Erfahrung, was es heisst, auf eine Blutstammzellspende angewiesen zu sein. Und sie möchte anderen vermitteln, wie wichtig es ist, dass sich möglichst viele geeignete Menschen registrieren lassen.
Zwischen Klaviermusik und Marktständen
Während Evan spielt, sucht Anne das Gespräch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern. Besonders junge Menschen möchte sie erreichen. Doch das ist schwieriger als gedacht: Viele haben noch nie von der Blutstammzellspende gehört. Was bedeutet eine Registrierung? Wann kommt es tatsächlich zu einer Spende? Und weshalb kann sie für einen schwer kranken Menschen entscheidend sein? Anne stellt fest, wie viel Zeit es braucht, diese Fragen zu beantworten. Zeit, die auf einem Dorfmärit oft fehlt. Die Menschen schlendern von Stand zu Stand, bleiben kurz stehen und ziehen weiter.
Anne spricht auch eine Gruppe von fünf Jugendlichen an. Keiner von ihnen weiss, was eine Blutstammzellspende ist. Erst als sie von Nael und seiner Erkrankung erzählt, zeigen die Jugendlichen Interesse. Für Anne ist diese Begegnung aufschlussreich. Es reicht nicht, den Menschen zu erklären, dass sie sich registrieren lassen können. Sie müssen auch verstehen, was ihre Registrierung für jemanden bedeuten kann, der dringend auf eine Blutstammzellspende angewiesen ist.
Ein erster Schritt
Ob sich jemand aufgrund ihrer Gespräche registrieren lässt, weiss Anne nicht. Doch sie hat erlebt, dass ihre persönliche Geschichte Menschen erreicht, die sich zuvor kaum mit der Blutstammzellspende beschäftigt haben. Vielleicht braucht es mehr als eine Begegnung, bis aus Interesse ein konkreter Entschluss wird. Am Dorfmärit in Schmitten hat Anne zumindest einen ersten Schritt gemacht. Und Evan hat mit seiner Musik dafür gesorgt, dass die Menschen stehen bleiben.