
Blutstammzellspenderinnen und -spender erzählen
Nicht bewegt, aber berührt
Aline spritzte sich selbst, lag stundenlang still und hatte danach nicht nur einen kleinen blauen Fleck, sondern auch das gute Gefühl, vielleicht ein Leben gerettet zu haben.
Seit wann sind Sie als Blutstammzellspenderin registriert?
Ich habe mich vor knapp zwei Jahren als Blutstammzellspenderin registriert.
Wie wurden Sie auf die Blutstammzellspende aufmerksam? Wann haben Sie das erste Mal davon erfahren?
Eine Freundin im selben Studienjahr erzählte uns vor ihrer Registrierung davon. Anfangs wusste ich nicht genau, worin sich diese Spende von einer normalen Blutspende unterscheidet. Nach dem Gespräch habe ich mich nochmals näher damit befasst. Ungefähr eine Woche später war ich dann selbst registriert.
Wo und weshalb haben Sie sich registriert? Hat Sie jemand zur Registration motiviert oder inspiriert?
Ich habe mich hauptsächlich über die offizielle Website «Blutstammzellspende» des SRK informiert. Dort findet man viele Erfahrungsberichte von Spenderinnen, Spendern sowie Empfängerinnen und Empfängern. Mir wurde schnell klar, dass meine Stammzellen im Fall eines Matches das Leben eines anderen Menschen verändern könnten. Dieser Gedanke hat mich von Anfang an zur Registrierung motiviert.
Wann erhielten Sie die telefonische Anfrage zur Spende?
Den ersten Anruf bekam ich Anfang Dezember, als ich gerade auf dem Weg zum Weihnachtsessen mit meiner Familie war. Ich verliess kurz den Raum, um das Gespräch anzunehmen. Als ich zurückkam, sah meine Familie ein breites Lächeln in meinem Gesicht.
Welche Gedanken gingen Ihnen durch den Kopf, als Sie die Anfrage erhielten?
Ich fragte mich, wie selten so ein Anruf wohl ist. Mir war klar, dass noch einige Untersuchungen nötig sein würden, bevor ich definitiv spenden durfte. Aber ich hoffte, dass ich die passende Spenderin sein würde. Einerseits, weil ich es schön fand, mit meinen Zellen helfen zu können, andererseits, weil ich als Physiotherapeutin eine grosse Faszination für die Medizin mitbringe und wissen wollte, wie eine Blutstammzellspende abläuft.
Zwischen meiner Registrierung und dem Anruf lag nur gut ein Jahr. Deshalb hatte ich viele Informationen zur Spende und zum Ablauf noch präsent. Vom ersten Gespräch an wurde ich sehr gut aufgeklärt, und alle meine Fragen wurden beantwortet. Ich fühlte mich stets gut betreut.
Wann und weshalb haben Sie sich dazu entschieden, in die Spende einzuwilligen?
Mein Bauchgefühl sagte von der ersten Sekunde an Ja. Ich sprach mit Familie und Freunden darüber. Einige reagierten sofort positiv, andere machten sich Sorgen, was die Transplantation für mich bedeuten würde. Ihre Fragen motivierten mich, noch genauer zu recherchieren. Mein medizinisches Wissen als Physiotherapeutin half mir dabei sehr. Etwa zehn Tage nach dem Anruf willigte ich mit voller Überzeugung und Hoffnung auf einen passenden Match ein. Ich fühlte zu keinem Zeitpunkt Druck. Die Fachpersonen vom SRK gaben mir zu verstehen, dass ich meine Entscheidung jederzeit ändern dürfte.
In der Schweiz gilt das Prinzip der Anonymität, das heisst, Spender bzw. Spenderin und Empfänger bzw. Empfängerin dürfen sich nicht kennen. Was denken Sie darüber? Stellen Sie sich die Person vor, die Ihre Blutstammzellen erhält?
Natürlich würde ich gerne wissen, wie es der Person geht und ob alles geklappt hat. Aber ich verstehe den Grund für die Anonymität – sie bietet mir Sicherheit und schützt die Privatsphäre der Empfängerin oder des Empfängers. Ich stelle mir eine Person vor, die vor der Diagnose voll im Leben stand und durch die Spende wieder zu ihren Leidenschaften zurückfinden kann.
Wie fühlt es sich an, wenn man jemandem mit hoher Wahrscheinlichkeit das Leben retten kann?
Ich sehe mich nicht als Lebensretterin, sondern als Teil eines grossen Teams, das die Spende möglich macht. Meine Stammzellen waren nur ein Puzzleteil. Trotzdem erfüllt es mich mit Dankbarkeit und Freude, helfen zu dürfen. Und ja – ein bisschen stolz bin ich schon. ☺
Wie war für Sie die Vorbereitung auf die Spende? Lösten die Wachstumsfaktoren Nebenwirkungen bei Ihnen aus?
Ich war sehr nervös. Die erste Spritze habe ich unter medizinischer Aufsicht gesetzt. In der Nacht vor der zweiten Injektion habe ich kaum geschlafen – in meinen Träumen habe ich mir die Zarzio bestimmt 20-mal falsch gespritzt. Aber es war gar nicht so schwierig. ☺ Ich konnte weiterarbeiten. Die Kopfschmerzen waren erträglich, Gliederschmerzen traten erst in den letzten 24 Stunden vor der Spende auf.
Wie lief die Spende ab? Hatten Sie Schmerzen? Wie haben Sie sich beschäftigt?
Meine Mutter begleitete mich. Nach der Ankunft durfte ich es mir im Bett bequem machen, dann wurden die Zugänge gelegt. Meine Venen machten es dem Team nicht leicht, aber nach ein paar Versuchen war alles bereit. Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke, dass ich bei meiner ersten Blutabnahme in Ohnmacht gefallen bin. ☺
Da ich nur mässig viele Stammzellen mobilisieren konnte, dauerte die Spende von 9 bis 16 Uhr. Ich durfte nicht aufstehen und konnte meine Ellbogen nicht beugen. Die ersten Stunden vergingen schnell – es kamen mehrere Ärztinnen und Ärzte vorbei, alles wurde genau erklärt und ich sprach viel mit meiner Mutter. Die letzten drei Stunden zogen sich. Mein Arm wurde langsam unangenehm und ich wurde müde. Am Handy sein oder lesen war wegen der gestreckten Arme schwierig. Umso schöner war es, als ich das Klingeln hörte, wieder aufstehen und meine Arme bewegen konnte. Schmerzen hatte ich kaum – das Legen der Zugänge war das Unangenehmste, aber das Team war sehr einfühlsam.
Wie fühlten Sie sich nach der Spende?
Es war ein unglaublich schöner Moment. Ich war stolz und hoffte, dass alles gut verlaufen würde. Ich lächelte die ganze Heimfahrt über. Auch in den Tagen danach dachte ich oft daran. Familie und Freunde wollten alles wissen. Abgesehen von etwas Müdigkeit und ein paar blauen Flecken fühlte ich mich bereits am nächsten Tag wieder fit.
Macht es Sie stolz, dass Sie Blutstammzellen gespendet haben?
Ja, das tut es. Lange dachte ich nicht, dass ich etwas Grosses getan habe. Aber in der Spendewoche und danach wurde mir das bewusst. Mein Umfeld gratulierte mir und sprach mir Respekt aus. Ich wusste nicht recht, wie ich darauf reagieren sollte – schliesslich musste ich ja nicht viel tun.
Würden Sie wieder spenden?
Ich würde sofort wieder spenden. Es war eine bereichernde Erfahrung mit wenig zeitlichem Aufwand und kaum Nebenwirkungen.
Was möchten Sie den Personen sagen, die sich noch nicht sicher sind, ob sie sich fürs Blutstammzellspenderregister anmelden sollen?
Die Entscheidung liegt jederzeit bei euch – niemand muss etwas tun, wozu er oder sie nicht bereit ist. Wenn ihr euch registriert, könnt ihr Menschen mit einer schweren Krankheit Hoffnung schenken. Und das Gefühl nach der Spende ist einfach unglaublich. ☺