Blutstammzellspenderinnen und -spender erzählen
Sechs Stunden für ein fremdes Leben: Ladina Gall und die Blutstammzellspende
Ladina ist 27, lebt in Mels bei Sargans und hat ursprünglich Fachfrau Gesundheit gelernt. Heute arbeitet sie als Physiotherapeutin in Landquart. Sie ist sportlich und gerne draussen unterwegs in der Natur. Wenn sie über ihre Spende spricht, tut sie das offen und mit viel Engagement für das Thema.
Eine Erinnerung, die bleibt
Ladina war noch ein Kind, als ihre Tante an Krebs erkrankte und erst 30-jährig an den Folgen der Krankheit starb. Diese Geschichte prägte die junge Frau und blieb bestehen als leise Erinnerung daran, wie schnell sich ein Leben verändern kann.
Später, in der Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit, begegnete sie dem Thema Blutstammzellspende erneut und registrierte sich. Bedenken hatte sie keine. «Ich wusste, dass in der Medizin immer die Sicherheit und das Wohl des Spenders an erster Stelle steht», sagt sie.
Der Anruf, der alles in Bewegung setzt
Dann vergingen Jahre, in denen Ladina kaum daran dachte, dass sie im Schweizer Blutstammzellspenderegister registriert ist. Bis im Frühling 2025 der Anruf kam. Ausgewählt als Spenderin wurde sie damals nicht, aber Ende Jahr war sie schon wieder ein Match für eine erkrankte Person – dieses Mal der perfekte Match.
Sie bekam eine Woche zum Überlegen. «Doch ich brauchte gar keine Zeit», sagt sie. «Ich habe sofort Ja gesagt.»
Am 6. Januar folgte der Ganzkörpercheck. Ende Januar dann die Spende.
Spritzen und Nebenwirkungen
Im Vorfeld musste sich Ladina Wachstumsfaktoren spritzen, die den Körper dazu anregen, mehr Blutstammzellen ins Blut abzugeben. Das sei für sie kein Problem gewesen, sagt sie. «Das Setzen von Spritzen haben wir in der Ausbildung zur Genüge geübt.»
Die Nebenwirkungen allerdings hat sie schon gespürt: Kopfschmerzen, ein Ziehen im Becken, Übelkeit. Aber Ladina will sich nicht beklagen: «Meine Beschwerden waren nichts im Verhältnis zu dem, was die erkrankte Person durchmachen muss.»
Der Zufall sitzt im gleichen Zimmer
Am Tag der Spende war Ladina nicht besonders nervös. «Wahrscheinlich auch, weil ich so gut betreut wurde», meint sie. Die Aufklärung sei sehr professionell gewesen, alles sei laufend kontrolliert worden. «Ich habe mich jederzeit absolut sicher, gut aufgehoben und wohl gefühlt», erinnert sie sich.
Sie hatte sich im Vorfeld ausgerüstet mit Arbeitsmaterial, um die Zeit während der Spende sinnvoll zu nutzen. Was sie nicht erwartet hatte: Im selben Raum spendete gleichzeitig eine andere Frau. Auch sie Physiotherapeutin, ebenfalls aus der Ostschweiz, in einem ähnlichen Alter. Und mit einer Verbindung, die erst im Gespräch auftauchte: Sie hatte ihre Ausbildung dort gemacht, wo Ladina heute arbeitet.
Anders als Ladina spendete die Zimmergenossin allerdings nicht für einen unbekannten Menschen, sondern für ihre eigene Mutter.
Es war eine dieser Begegnungen, die sofort verbindet. «Wir haben fünf Stunden durchgeredet», sagt Ladina. «Und danach unsere Kontaktdaten ausgetauscht»
«Ich habe mich geehrt gefühlt»
In ihrem Umfeld habe sie viel Feedback bekommen zur Entscheidung, ihre Blutstammzellen zu spenden. Die Familie habe sehr positiv reagiert, viele waren beeindruckt von ihr.
Ladina selbst sagt, sie habe sich geehrt gefühlt, dass sie ein Match war. «Es muss ja alles so gut passen, dass es zu einer Spende kommen kann.» Lachend fügt sie hinzu: «Das gab bestimmt einige Karma-Punkte.»
Was bleibt: eine Chance, die man nicht planen kann
Wenn sie auf ihre Erfahrungen als Blutstammzellspenderin zurückblickt, ist sich Ladina sicher: «Man hat eine Chance, ein echtes Leben zu retten.» Klar kosten die Abklärungen und die Spende selber ein bisschen Zeit, aber: «man verliert dabei keine Zeit. Im Gegenteil: Man gewinnt durch diese Erfahrung so viel Selbsterkenntnis.»
Eine Blutstammzellspende ist keine romantische Heldenerzählung. Sie ist ein medizinischer Akt, der den Körper fordert, der Zeit braucht und der Nebenwirkungen haben kann. Trotzdem ist er gut zu bewältigen, weil der Prozess eng begleitet wird. Und es ist gleichzeitig ein zutiefst menschlicher Moment, in dem jemand sagt: Ich tue das für dich. Obwohl ich dich nicht kenne.
Ladina Gall hat Ende Januar sechs Stunden ihres Lebens gegeben. Irgendwo hat jemand dadurch vielleicht Jahre gewonnen.